Kernlose Trauben erfreuen sich seit jeher großer Popularität bei Liebhabern dieser sonnigen Frucht, und immer mehr Hobbywinzer widmen dieser relativ großen Gruppe von Hybridreben ihre Aufmerksamkeit. Was ist das Besondere an kernlosen Rebsorten? Natürlich die Kernlosigkeit. Kernlose Trauben eignen sich hervorragend für den Verzehr, insbesondere für Kleinkinder. Der Verzehr ganzer Trauben, ohne die Kerne trennen und entfernen zu müssen, ist deutlich bequemer und ermöglicht ein besonderes Genusserlebnis. Natürlich sind auch die Geschmackseigenschaften der Rebsorte von großer Bedeutung.
Die Züchtung einer kernlosen Rebsorte mit großen Beeren erfordert in der Regel einen langjährigen Züchtungsaufwand von mehreren Jahrzehnten. Die genetische Inkompatibilität von großen Beeren und Kernlosigkeit ist seit langem bekannt. Kombiniert man das Züchtungsziel mit der Anforderung an Resistenz gegen Pilzkrankheiten und Frostbeständigkeit, ist das Ziel unerreichbar. Daher ist der Aufwand für kernlose Sorten zu würdigen. Aufgrund der geringeren Anforderungen an den Krankheitsschutz stellen kernlose Trauben dieser Sorten eine neue Qualität dar. Da der Verzehr kernloser Früchte generell einfacher ist, gelten kernlose Rebsorten als kommerziell wertvoller als Sorten mit Kernen. Ihre Resistenz gegen Pilzkrankheiten steigert den Wert kernloser Sorten zusätzlich.
Der Begriff Kernlosigkeit bei Tafeltrauben bedeutet nicht das völlige Fehlen von Kernen in den Beeren. Alle kernlosen Rebsorten der „Sultanina“-Gruppe (in Russland und der Ukraine als „Kischmisch“ bezeichnet) bilden Früchte in Form einer Stenospermokarpie. Das bedeutet, dass die Befruchtung mit Pollen notwendig ist, um eine Beere zu bilden. Nach einer gewissen Zeit wird die Samenentwicklung jedoch unterbrochen, der Samen entwickelt sich nicht weiter und wächst nicht. Alle Beeren enthalten dann Reste von Kernen, von winzig bis groß.
Die hochwertigsten Sorten hinsichtlich Kernlosigkeit werden der Klasse I zugeordnet. Die Kernspuren in den Beeren sind so klein, dass sie beim Verzehr praktisch nicht spürbar sind. Die letzte Kategorie umfasst kernlose Sorten der Klasse IV. In ihren Beeren sind die Kernspuren relativ groß und erreichen oft die Größe von Kernen, sind aber nicht vollständig ausgebildet, d. h. weich. Wir bezeichnen solche Sorten als weichkernig.
Abhängig vom Gewicht der Kernspuren in der Beere werden kernlose Sorten in folgende Klassen (Grade) der Kernlosigkeit eingeteilt:
I. Klasse der Kernlosigkeit – 0 bis 6 mg
II. Klasse der Kernlosigkeit – 6,1 bis 10 mg
III. Klasse der Kernlosigkeit – 10,1 bis 14 mg
IV. Klasse der Kernlosigkeit – 14,1 mg und mehr